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Dokumentation zur Fachtagung – Zukunftskompetenzen für die Berufsausbildung

Die Fachtagung „Zukunftskompetenzen für die betriebliche Berufsausbildung“  am 07. Dezember im Haus der Wirtschaft in Berlin fand reges Interesse bei den Teilnehmenden aus Wirtschaft, Politik und Berufsbildung. Die folgende Dokumentation vermittelt Ihnen Eindrücke in Bildern und bietet eine Zusammenfassung der Beiträge zum Nachlesen und Nachdenken. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und freuen uns über weiterführende Hinweise und Kommentare. Gerne können Sie unsere Beiträge auch mit anderen im Netz teilen.



Begrüßung und Einführung

Christel Weber, k.o.s GmbH

Christel Weber

Paradoxe Befunde kennzeichnen die Situation der dualen Ausbildung in Deutschland: Trotz Fachkräftemangel und einer boomenden Wirtschaft sind die Ausbildungszahlen in Deutschland in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurück gegangen. Auch wenn die Themen Attraktivität und Qualität der dualen Ausbildung mehr Aufmerksamkeit denn je erhalten, bleiben dennoch die Zahlen an Vertragslösungen erstaunlich stabil.

Auf welche Herausforderungen sich das System der dualen Ausbildung in Deutschland auch in den nächsten Jahren einstellen muss, war Thema des Beitrages von Christel Weber von der k.o.s GmbH. Mit der Frage „Wie können die nicht allein durch den fachlichen Fortschritt sondern vermehrt von anderen Faktoren kommenden Impulse zur Veränderung im System der dualen Ausbildung produktiv aufgriffen werden?“ startete die Fachtagung und stellte innovative Lösungen und Strategien vor.

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Unternehmensstrategie Ausbildungsqualität

Marie-Luise Glander & Tilman Jendrasik, k.o.s GmbH

Die duale Ausbildung wird immer anspruchsvoller, so der Befund einer Befragung unter Vertreter*innen Berliner ausbildender Unternehmen und Branchenverbände. Marie-Luise Glander und Tilman Jendrasik von der k.o.s GmbH stellten die Ergebnisse der Befragung vor, die in der  Broschüre „Unternehmensstrategie Ausbildungsqualität – Berliner Perspektiven auf eine sich wandelnde Arbeitswelt“ veröffentlicht sind.

Aktuelle Zahlen zum Bedarf und zur Nachfrage nach Ausbildungsplätzen geben einen guten Einblick in die Situation des aktuellen Berliner „Ausbildungsmarktes“. Die vorgestellten Praxisbeispiele vermitteln anschaulich, wie Berliner Unternehmen sich den aktuellen Herausforderungen stellen und weisen nach, wie gute Personalentwicklung mittels Ausbildung gelingen kann. Denn: „Die besten Experten und Expertinnen für die Beurteilung guter Ausbildungsqualität sind am Ende immer die Auszubildenden selbst“ (G. Buchhorn) – wie ihre Perspektive noch stärker berücksichtigt werden kann, wird in den vielen Einzelbeiträgen offenkundig, die im Vortrag vorgestellt wurden.

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Die heimlichen Stars der Ausbildung: Die professionelle Praxis der Ausbilder

Anke Bahl, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Arbeitsbereich „Kompetenzentwicklung“

Das ausbildende Personal in Unternehmen steht nur selten im Scheinwerferlicht der Unternehmen. Obwohl es eine verantwortungs- und anspruchsvolle Aufgabe der Personalentwicklung im Unternehmen übernimmt, wird diese, gemessen an den Anforderungen, nur selten angemessen wertgeschätzt.

Dr. Anke Bahl vom Bundesinstitut für Berufsbildung stellte Ergebnisse ihrer langjährigen Forschungsarbeit zur betrieblichen Praxis der dualen Ausbildung vor – in so unterschiedlichen Kontexten wie dem kleinen meistergeführten Handwerksbetrieb oder dem Großunternehmen mit mehreren Standorten.

In ihrer aktuell erschienenen Publikation „Die professionelle Praxis der Ausbilder“ (erschienen im Campus Verlag) kann nachgelesen werden, worin die Spezifik des Lernens und der Begleitung von Ausbildung im Rahmen der betrieblichen Praxis liegt. Nachvollziehbar werden die besonderen Herausforderungen der Tätigkeit als Ausbilder/in im Unternehmen aufgezeigt, aber auch der Gewinn, den die damit betrauten Personen daraus ziehen, wird eindrücklich dargestellt.

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Wie gut ist die Berliner Ausbildung für die Zukunft aufgestellt?

Stimmen aus der Praxis

Wo geht die Reise der dualen Ausbildung in Berlin hin und was kann noch getan werden? – das war das Thema der abschließenden Podiumsrunde. Exemplarisch für aktuelle Initiativen aus den Verbänden und Innungen stellten Gerrit Buchhorn vom DEHOGA Landesverband das Qualitätssiegel des DEHOGA „Ausbildung mit Qualität“ (AmQ) und Andreas Koch-Martin die Initiative „Ausbildung stärken – Nachwuchskräfte binden“ vor.

Thoralf Marks vom Verband der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg hob die Lernortkooperation als wichtige Zukunftsaufgabe hervor. Über die besondere Situation der dualen Ausbildung in Start-ups informierte Kerstin Josupeit von der Verbundberatung Duale Ausbildung in Berlin. Sven Hubbert von der Firma MADA Gebäudetechnik gab ein starkes Plädoyer dafür ab, die Herausforderungen von Kleinstunternehmen als wichtige Partner der dualen Ausbildung stärker wahrzunehmen und anzuerkennen. Dr. Anke Bahl plädierte abschließend dafür, die berufliche Aus- und Weiterbildung weiter zu professionalisieren.



Andreas Koch-Martin, Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Berlin (SHK)

„Die kleinen Unternehmen haben immer mehr Schwierigkeiten, ihrem eigenen Anspruch an hochwertiger Ausbildung nachzukommen“, so Andreas Koch-Martin vom SHK Kompetenzzentrum in Berlin. Volle Auftragsbücher sind ein Gewinn für die Unternehmen, lassen aber im Tagesgeschäft auch wenig Zeit für die Ausbildung. Ein weiterer Faktor: der Beruf zum/zur Anlagenbauer/in für Heizung, Sanitär und Klimatechnik ist in den vergangenen Jahren fachlich anspruchsvoller geworden. Daher ist die Nachwuchsgewinnung vor allem ein Problem für die kleinen Unternehmen, die im Wettbewerb um höher qualifizierte Bewerber/innen oft das Nachsehen haben.

Das war Anlass für das SHK-Kompetenzzentrum in Berlin, das Projekt „Ausbildung stärken – Nachwuchskräfte binden“ ins Leben zu rufen. Es soll den Ursachen hoher Abbrecher- und Durchfallquoten im SHK-Bereich auf den Grund gehen und notwendige Instrumente und Maßnahmen für Berliner Ausbildungsbetriebe bereitstellen bzw. diese praxisnah weiterentwickeln.



Sven Hubbert, MADA Gebäudetechnik GmbH

Sven Hubbert, Geschäftsführer der MADA Gebäudetechnik, sieht die Situation in der SHK Branche ähnlich. Die hohe Arbeitsbelastung lässt die Ausbildung für Betriebe und ausbildendes Personal zu einer Kraftanstrengung werden. Da zur Rekrutierung geeigneter Auszubildender  klassische Wege immer seltener zum Erfolg führen, sind neue Wege zur Suche und Gewinnung aber auch für die Bindung von Auszubildenden an das Unternehmen geboten.

Sven Hubbert setzt hierbei zunehmend auf Social Media und Instagram. Nach anfänglicher Skepsis ist er aufgrund der guten Resonanz sehr zufrieden und kann diesen Weg auch anderen Unternehmen empfehlen. Gefragt nach wünschenswerten Unterstützungsleistungen für kleine Betriebe sieht Hubbert neben der allgemeinen Aufwertung und Anerkennung des Handwerks ein gutes Weiterbildungsangebot für die Betriebe und weitere Möglichkeiten der Vernetzung als wichtige Bausteine für den Ausbildungserfolg.

Vor allem wünscht er sich aber ein klares politisches Bekenntnis, das die Leistungen von Kleinstbetrieben anerkenne.



Kerstin Josupeit, Verbundberatung Duale Berufsausbildung Berlin

Kerstin Josupeit vom Büro für Verbundberatung Duale Ausbildung Berlin gab einen Einblick in die besonderen Rahmenbedingungen für die betriebliche Ausbildung in Start-ups. Da in der Regel Akademiker/innen und Quereinsteiger/innen, die selbst keine Ausbildung durchlaufen haben, Gründer/innen von Start-ups sind, müssen diese auch erst an die Erfordernisse einer dualen Ausbildung herangeführt werden. Eine gute Einstiegsmöglichkeit bietet die Verbundausbildung, bei der Start-ups erste Erfahrungen mit der Durchführung einer betrieblichen Ausbildung sammeln können.

So haben die Unternehmen die Möglichkeit, sich als Juniorpartner an der Ausbildung zu beteiligen und müssen nicht von Anfang an allein in der Verantwortung stehen. Das ist nicht nur für die Unternehmen ein Gewinn: auch den Auszubildenden bietet die Verbundausbildung die Chance, unterschiedliche Unternehmens- und Arbeitsstrukturen und Kulturen kennenzulernen.

Ein weiteres Plus der Verbundausbildung ist die Tatsache, dass im Zuge der Zusammenarbeit zur dualen Ausbildung oft auch tragfähige Unternehmenskooperationen in anderen Bereichen entstehen.



Gerrit Buchhorn, Hotel- und Gaststättenverband Berlin e. V. (DEHOGA Berlin)

Wertschätzung und eine Anerkennungskultur spielen eine zentrale Rolle, um Ausbildungsabbrüche zu verhindern, so Gerrit Buchhorn vom DEHOGA Berlin. Die erfolgreiche Qualitätsinitiative „Ausbildung mit Qualität“ (AmQ) befragt die Auszubildenden in den Unternehmen selbst und gibt ihnen die Möglichkeit, eine direkte Rückmeldung an die Betriebe zu geben.

Mit der Verbesserung der betrieblichen Ausbildung soll vor allem das Image der Hotel- und Gaststätten-Branche gestärkt und der große Bedarf an Auszubildenden besser abgedeckt werden. Gute Kommunikation ist ein zentrales Thema, denn die Auszubildenden müssen die betrieblichen Möglichkeiten kennen, um darüber angemessen Auskunft geben zu können. Die Betriebe dürfen auf diesem Weg nicht allein gelassen werden, sondern brauchen Hilfestellung und ganz konkrete Handlungsempfehlungen für die Entwicklung ihrer Ausbildungspraxis, so Gerrit Buchhorn.

Stichwort Digitalisierung: die Branche ist insgesamt sehr engagiert, die digitalen Möglichkeiten zu nutzen. Zugleich müssen die Chancen, die darin für die Ausbildung liegen, dem ausbildenden Personal noch näher gebracht werden. Positive Ansätze wie etwa digitales Lernen mittels Virtual Reality für das Konfliktmanagement einzusetzen, können Ausbilderinnen und Ausbildern in ihrem Alltag entlasten.



Thoralf Marks, Verband der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg (VME)


Die Ausbildung in einem Metall- und Elektroberuf ist nicht nach drei Jahren abgeschlossen, so Thoralf Marks vom Verband der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg. Die hohen Qualitätsanforderungen erfordern die kontinuierliche berufliche Weiterentwicklung der Beschäftigten. Die steigende Komplexität der Arbeitsprozesse und der Ausbildungsinhalte führen im Betrieb zu einem dauernden Spagat zwischen der Vermittlung von fachlichem Fundament und Zukunftsorientierung. Berufsschulen als Partner der Betriebe und eine verbesserte Lernortkooperation werden daher in Zukunft noch stärker gefragt sein.

Selbständige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit sozialen Schlüsselkompetenzen wie Reflexions- und Problemlösungsfähigkeit sind heute unabdingbar, so Marks. Diese Kompetenzen sind nach Schulende noch nicht ausreichend vorhanden und müssen in der Ausbildung gestärkt werden. Die Verbundausbildung sowie weitere auch überbetriebliche Lernangebote zur Zusatzqualifizierung auch durch externe Dienstleister sind eine gute Möglichkeit dies abzufedern und die Betriebe bei diesen Aufgaben zu entlasten.

 



Anke Bahl, Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Arbeitsbereich „Kompetenzentwicklung“

Das Lernen zu lernen wird in Betrieben zukünftig zur Schlüsselkompetenz, so Anke Bahl vom Bundesinstitut für Berufsbildung in Bonn. Auch wenn das Stichwort „Pädagogik“ in den Betrieben nicht gerne gehört wird, so muss es doch darum gehen, die Begleitung der Ausbildung in den Betrieben weiter zu professionalisieren. Dazu gibt es von Bundesseite Initiativen, die AEVO noch einmal neu aufzurollen und an die (neuen) betrieblichen Realitäten weiter anzupassen.

Mit der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes wird ein weiterer wichtiger Schritt zur Stärkung der beruflichen Aus- und Weiterbildung getan. Bereits heute gibt es gute Informationsplattformen und Unterstützungsangebote für das ausbildende Personal in den Betrieben. Dazu zählen insbesondere die Angebote des DIHK und des ZWH „Stark für Ausbildung“ oder die Seite des Bundesinstitut für Berufsbildung foraus.de, auf der aktuelle Informationen und Weiterbildungsangebote abgerufen werden können. Ein Online Forum kann zum Austausch mit anderen Ausbilder/innen genutzt werden.



Vielen Dank für Ihre Teilnahme! Wir freuen uns, Sie auf weiteren Veranstaltungen begrüßen zu dürfen.

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